“Das ist ja grundsätzlich das Schwierige mit Geschichten, man erzählt sie unwillkürlich so, als wäre man gerade mittendrin, kann sie aber selbstverständlich nur im Rückblick erzählen. Selbst wenn ich scheinbar ganz im Moment bleibe und sage: ich erzähle ihnen gerade eine Geschichte, dann ist das wahr und unwahr zugleich. Verstehen sie? Wenn ich sage, dass ich eine Geschichte erzähle, erzähle ich sie in dem Moment nicht mehr, sondern das Erzählen selbst wird zur Erzählung. Wenn sie später nachhause gehen und unterwegs einen Freund treffen, der sie fragt, woher sie gerade kommen, dann antworten sie ihm vielleicht: ich habe Lucian getroffen, der mir eine endlos lange Geschichte erzählt hat und ungemerkt wird meine Geschichte dann zu einem Teil ihrer Geschichte, sie erzählen davon, wie wir jetzt gerade hier sitzen und ich rede und sie hören zu und in ihrer Geschichte ist vielleicht völlig unwichtig, ob damals beim Inder nun wirklich Freude in Alberts Augen zu lesen war oder nicht, weil sie vor allem hervorheben möchten, dass ich immer wieder abgeschweift bin und wie schwer es dadurch manchmal war, mir noch zu folgen.“
aus einem noch unveröffentlichten Text